top of page

FOLLOW ME:

  • Facebook Clean Grey
  • Twitter Clean Grey
  • Instagram Clean Grey

RECENT POSTS: 

SEARCH BY TAGS: 

Ed Atkins: Corsping


Ed Atkins zeigt computergenerierte Welten und lässt den Betrachter zu den künstlichen Figuren seine Filminstallationen eine emotionale Nähe entwickeln. Der Zuschauer wird konfrontiert mit existenziellen Zuständen wie Einsamkeit, Entfremdung und Vergänglichkeit. Welchen Einfluss üben Technisierung und Digitalisierung auf das Leben eines jeden aus? Atkins reflektiert die Selbstwahrnehmung des Menschen durch die rasante Entwicklung digitaler Medien. Er erfasst die Problematik des durch die digitalen Medien veränderten Selbstbewusstseins, das zwar einerseits durch die Illusion von Grenzlosigkeit geprägt ist, andererseits eng an den Verlust von Authentizität gebunden ist. Welche Auswirkungen hat es auf ein jedes Individuum, dass die digitalen Medien perfekt zu sein scheinen und Fakes kaum von den Wahrheiten zu unterscheiden sind.

Die Filminstallation „Hisser“ zeigt einen Mann, der in einem kleinen Zimmer wohnt. Dem Mann scheint es nicht gut zu gehen. Er schreckt aus dem Schlaf hervor, murmelt vor sich hin, seine Hände zittern. sein Gesicht ist zerfurcht, von Wunden, blauen Flecken und Narben übersät. Man sieht ihm an, was er alles erlebt hat. Auf einmal wackelt alles, das Porzellan klirrt und plötzlich ist das Zimmer verschwunden. Die Welt kollabiert und verschwindet. Die Installation ist auf mehreren Leinwänden auf dem gesamten Unterschoss des MMK zu sehen und soll so die unendliche Multiplizierbarkeit verdeutlichen, aber durch Frequenzfehler und Bildstörungen zeigen, dass es sich um eine digitale Illusion handelt. es scheint, als vermittle Atkins eine eigene Welt, doch das, was zu sehen ist, ist nur ein Konstrukt und dennoch liegt der Szenerie eine wahre Geschichte zu Grunde: In Florida wurde ein Mann in seinem Schlafzimmer vom Erdboden verschluckt.

Was passiert, wenn sich die Vorstellung von Körperlichkeit im Digitalen auflöst, wenn wir vergessen, dass alles scheinbar Immaterielle einen materiellen Ursprung hat?

Die Installation „Safe Conduct“ zeigt den Transfer durch feindliches Gebiet, eine Kontrollzone an einem Flughafen. Neben den üblichen Habseligkeiten legt der computeranimierte Protagonist Obst, Waffen und sogar sich selbst in die Kisten: Augäpfel, Haut, Gehirn, Innereien, Zähne, Blut. Das alles geschieht zu Bolero-Musik, die sich immer weiter – anders als die tatsächliche Handlung – steigert.

Atkins ruft Fragen auf, was wir alles von uns preisgeben, wenn wir uns bei Kontrollen durchleuchten lassen. Was passiert mit den Dingen, die durchleuchtet werden, aber was passiert denn eigentlich auch mit unserem Gehirn? Was macht das Ich aus und was bringt es, wenn wir versuchen, alles zu kontrollieren? Fühlen wir uns sicherer? Sind wir sicherer? Sicherheit beschützt uns nicht vor den Gefahren, sondern doch vielmehr vor dem Leben. Wo nur noch Sicherheit ist, kann kein Leben mehr sein. Atkins thematisiert Gedanken, die in Zeiten der Terrorangst immer lauter werden.

Mit seinem Ausstellungstitel „Corpsing“ greift Atkins den Widerspruch einer Simulation auf: Zwar vermittelt sie die Illusion einer eigenen Welt, doch sie bleibt immer nur eine Konstruktion. Der Begriff „Corpsing“ kommt aus dem Theater und verweist dort darauf, dass ein Schauspieler in seiner Rolle, nie den Status einer authentischen Figur errecht, diese nur verkörpert. Corpsing ist der Augenblick, wenn der Schauspieler aus seiner fällt, wenn er zum Beispiel den Text vergisst.

Ed Atkinks: Corpsing

MMK 1

3. Februar - 14. Mai 2017

© 2016 by Kunst -voll. Proudly created with Wix.com

  • Instagram Black Round
bottom of page