top of page

FOLLOW ME:

  • Facebook Clean Grey
  • Twitter Clean Grey
  • Instagram Clean Grey

RECENT POSTS: 

SEARCH BY TAGS: 

Annegret Soltau: Das Konstrukt ICH. Das ge-zeichnete Selbst


Annegret Soltau beschäftigt sich in ihren fotografischen Arbeiten mit der psychischen und physischen Identität. Dafür vernachlässigt sie die anatomischen Gesetze und stülpt das Innere nach außen und bringt es zum Vorschein.

Soltau ver- und übernäht Fotografien mit realen, haptischen schwarzen Fäden. Damit dekodiert sie nicht nur typische, weibliche Hausarbeit und überträgt sie auf ein "männliches" Medium, sondern spinnt schonungslos Fäden durch die Fotografien. Sie reißt Innenwelten auf und verschließt die entstandenen Verletzungen mit Nadel und Faden. Sie entkernt Gesichter und behält nur deren Silhouette, um dann die Gesichter mit anderen Inhalten zu füllen. Ihre vernähten Fotografien verbinden, ähnlich wie bei der Tradition der Collage, verschiedene Realitäten miteinander.

Doch auch sich selbst demonstriert sie schonungslos: mit schwarzen Fäden umschnürt sie ihren Körper. Der Faden, ähnlich wie ein Kokon, umgibt die Haut. Er verdeckt und verzerrt den Körper. Die Fäden hinterlassen Abdrücke auf den Körpern. Die menschliche Existenz befindet sich in einer ständigen Metamorphose. Es gibt kein Selbst, das sich hinter einer Maske verbirgt und folglich auch keine eine Identität.

Soltau illustriert keine Gewalt, sondern sie vermittelt Gefühle. Widerwillen, Ablehnung, Verdrängen, Schock über das Gesehene. Sie führt vor Augen, dass ein privates Selbstbildnis nie lange privat ist. Dass ein jeder immer seine Mitmenschen an seiner Realität, an seiner Identität teilhaben lassen möchte und dass wir mehrere Identitäten haben. Wir stellen Bilder unserer Selbst ins Netz; akzeptieren in den AGBs, die Weiternutzung unserer Daten und dass diese Daten mit anderen Daten verbunden werden. Ist das eine Erleichterung oder eine kontrollierte Steuerung unserer Gefühle? Soltaus Fotografien regen dazu an, das Phänomen "Selfie" zu überdenken. Wie zeige ich mich? Wie möchte ich wahrgenommen werden? Wie konstruiere ich meine Identität? Was treibt uns an, uns fortlaufend selbst darzustellen und öffentlich zu präsentieren? Und, steht das digitale Profil in Verbindung zu dem wahren Ich - oder ist das wahre Ich unglaubwürdig geworden?

Das Konstrukt ICH. Das ge-zeichnete Selbst

9. Februar bis 18. März

 

© 2016 by Kunst -voll. Proudly created with Wix.com

  • Instagram Black Round
bottom of page