Anna Nero, Solid Cream
In ihrer Einzelausstellung “Solid Cream“, die derzeit im 1822-Forum zu sehen ist, setzt sich die Künstlerin Anna Nero mit der Fremd- und Verschiedenheit von Objekten auseinander. Dabei ist die Dinghaftigkeit für sie von besonderem Interesse: Was verrät sie uns über andere Dinge und was etwa über den Menschen?
Anna Nero arbeitet mit verschiedenen Ebenen der Formgebung und überlagert diese. Die Ebenen bleiben aber als solche bestehen und verschmelzen nicht miteinander. Auch die einzelnen Formelemente verschmelzen nicht. Eine jede Form steht für sich. Sie sind isoliert, auf sich selbst bezogen und behaupten so ihre Selbstständigkeit und Existenz.
Die malerische Strukturierung in Raster lässt es nicht zu, dass sich die farbigen Striche, die in den Rastern gefangen zu sein scheinen, befreien. Sie bleiben in ihrem Zustand. Sie gehen keine Symbiose ein. Jede Form steht auch hier wieder für sich selbst und bleibt als Selbst bestehen, denn es gibt keine Möglichkeit der Interaktion. Weder der Elemente untereinander noch der Elemente mit dem Betrachter. Der Betrachter kann mit dem Bild nicht interagieren, denn er findet keinen Weg in das Bild hinein.
Die Arbeiten von Anna Nero zeigen nicht mehr und auch nicht weniger, als das, was auf den Bildern sichtbar ist und ermöglichen auch keinen Zugang in eine andere Welt. Es gibt keine Täuschung darüber, dass das Bild eine Welt eröffnet. Doch es gibt auch keine Täuschung, das Bild sei gegenstandslos. Wenn einzelne Formen einen Hinweis auf die Realität geben, so ist es vielmehr als Rätsel gedacht. Auch gibt es keinen homogenen Bildgegenstand, der als Sujet begriffen werden könnte. Vielmehr handelt es sich und eine Anhäufung verschiedener Elemente, die sich in ihrer Vereinigung in einem Zustand der Willkür befinden. Auffällig dabei sind jene Bildelemente, die sich zu verselbstständigen scheinen, wie etwa als dick aufgetragene Farbe oder als geschwungene Formen. Jedes dieser Elemente steht für sich. Jedes Element wird als Objekt für sich selbst aktiv.
Die Arbeiten von Anna Nero zeigen zwar immer einen Gegenstand, denn schließlich gibt es auch kein gegenstandsloses Bild. Doch gerade weil sich diese Gegenstände so sehr voneinander abgrenzen und auf sich selbst beziehen, erweisen sich diese Selbstbezüge als Gegenüber. Die Gegenstände sind keine Repräsentanten oder Objekte mehr, sondern sie werden vielmehr zum eigenen Subjekt, das sich aus dem Bildzusammenhang herauslöst und eine eigene Handlungsfähigkeit erweist.
Anna Nero, Solid Cream
1822-Forum der Frankfurter Sparkasse 26. September - 29. Oktober 2016
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